Überm Tellerrand: The Baby’s Catalogue

Warum werden eigentlich so wenige Bilderbücher übersetzt? Klar, nicht bei allen bietet sich das an, bei gereimten Texten ist es durch die enge Verzahnung von Text und Bild sogar oft gar nicht möglich – aber viele Andere drängen sich doch geradezu auf! Dieser großartige Klassiker aus dem englischsprachigen Raum zu Beispiel – zum Glück kann man das Buch einfach auf Englisch erstehen, denn es hat so gut wie keinen Text.

Inhalt

Cover "The Baby's Catalogue"The Baby’s Catalogue begleitet sechs Babies durch ihren Tag. Jede Seite hat ein Thema: Die erste – Babies – stellt uns die noch schlafenden Kinder vor, die nächste Doppelseite zeigt links die Papas und rechts die Mamas bei der jeweiligen Morgenroutine. Dann kommen Hochstühle, Frühstück(e), Spielzeuge, Geschwister, verschiedene Aktivitäten und so weiter, bis der Tag schließlich zu Ende geht und das Buch zu den – erneut schlafenden – Babies zurückkehrt.
Es gibt kaum Text, nur die jeweiligen Überschriften. Das macht die Sache insofern einfacher, als man problemlos die englische Ausgabe kaufen und anschauen kann. Die Bilder stehen für sich und erzählen nach und nach verschiedene Geschichten, müssen aber für kleinere Kinder natürlich interpretiert und kommentiert werden.

The Baby’s Catalogue und wir

Dieses Buch ist sowohl für mich, als auch für meinen Mann, als auch für den kleinen Wicht ein absolutes Highlight. Wir haben es angeschafft, als der Wicht etwas über ein Jahr alt war und angefangen hat, Spielzeuge und andere Alltagsgegenstände in Büchern wiederzuerkennen. Es eignet sich wunderbar als erstes Wörterbuch, denn weil alles konsequent aus derBeispielseite "Accidents" aus The Baby's Catalogue

Perspektive der Babies (die teilweise auch schon Kleinkinder sind) erzählt ist, sind alle Situationen und fast alle Gegenstände vertraut. Zugegeben: Es handelt sich um ein 30 Jahre altes britisches Buch, und deswegen gibt es auf der Seite „Teas“ zum Beispiel einen Scone, und auch die Seite mit den vielen Stoffwindeln ist bei uns einfach die ‚Seite mit den weißen Tüchern‘. Aber was soll’s? Dafür wächst der Baby’s Catalogue quasi mit: Je mehr Kontext der kleine Wicht versteht, umso mehr ergeben sich aus den vielen Details kleine Geschichten. Ein wunderschöner Aspekt des Buches ist, dass man nach und nach jedes Spielzeug, jedes Haustier, wirklich jedes Detail einer der fünf Familien zuordnen kann. Was mir auch sehr gefällt, ist dass der kleine Wicht nach und nach einen immer größeren Teil der Erzählung übernimmt. Humor haben die Autoren übrigens auch: Unsere absolute Lieblingsseite sind die „Accidents“, die Unfälle, wo unter anderem ein Kuchen an den Hund verfüttert wird, Bauklötze im Goldfischglas und ein Kind in der Kloschüssel landen. Nur einen Nachteil sehe ich: Wenn man als Vorlesender selber total platt ist und einfach nur noch schnell eine Gute-Nacht-Geschichte abspulen will, ist dieses Buch nicht geeignet, weil es sich nicht auf Autopilot runterlesen lässt.

Also?

Eins unserer Lieblingsbücher und das einzige Wörterbuch, das ich gefunden habe, in dem sich kleine Geschichten verstecken. Das kenne ich zwar aus Wimmelbüchern, aber nicht aus Büchern für ganz kleine Kinder.
Der Bogen über den Tag hinweg ist nah am Kinderalltag und gut verständlich – und er hat den angenehmen Nebeneffekt, dass die Kinder am Schluss des Buchs schlafen gehen – perfekt für die Gute-Nacht-Geschichte. Die Tatsache, dass es keine deutsche Ausgabe ist, muss niemanden abhalten: Die englischen Überschriften für die einzelnen Seiten bestehen jeweils nur aus einem Wort und lassen sich im Zeifel auch einfach ignorieren.

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