Gute Nacht kleiner Bär - Artikelbild

Neuer Liebling für den Abend: Gute Nacht, kleiner Bär

ab Zweieinhalb|Als „Klassiker“ hat mir eine nette Buchhändlerin dieses Bilderbuch ab Zweieinhalb verkauft. Zuhause stelle ich fest: Von wegen Klassiker, das Buch ist von 2016. Aber: Es verdient einer zu werden.

Gute Nacht, kleiner BärZugegeben, so ganz akkurat ist die „2016“-Nummer nicht: Die englische Originalausgabe ist schon 12 Jahre alt, und außerdem ist das Buch Teil eine Serie, die es immerhin seit den späten 80ern gibt.

Alle fünf Bände von Autor Martin Waddell und Illustratorin Barbara Firth drehen sich um einen großen und einen kleinen Bären. Die leben in einer Bärenhöhle im Wald, erleben kleine Abenteuer und haben einander lieb.

Ein eigenes Reich für den kleinen Bären

In „Gute Nacht, kleiner Bär“ findet der kleine Bär eine kleine Höhle und macht es sich dort gemütlich. Dann bittet er den großen Bären (der sich sichtlich überwinden muss, diesem Wunsch zu entsprechen), dort essen und übernachten zu dürfen. Als es schließlich dunkel wird, fällt ihm schließlich ein, dass der große Bär in seiner Bärenhöhle bestimmt ganz schön einsam ist. Auf der letzten Seite schläft der kleine Bär warm und sicher in den Armen des großen Bären.

Vorlese-Wärme für Wicht und Eltern

Irgendwie haben Waddell und Firth mit dieser Geschichte eine besondere Magie gewirkt. Der Wicht folgt dem Abenteuer Kleinen Bären auch nach vielen Vorlese-Runden gespannt – und träumt heimlich, still und leise vermutlich schon von ihrem eigenen Baumhaus.

Ich fühle mich dagegen vom großen Bären inspiriert. So möchte ich auch sein: Mein Kind trotz leiser Sorgen in die Welt hinausziehen lassen (auch wenn es nur eine Höhle hinterm Haus ist) und die Arme aufhalten, wenn es zurück kommt.

Auch die Illustrationen von Barbara Firth sind etwas Besonderes. Sie sind warmherzig und witzig und erzählen immer noch ein bisschen mehr als der Text. Der ist ebenfalls herausragend. Er arbeitet mit Wiederholungen und bekommt dadurch einen archaischen, beruhigenden Rhythmus. Fast wie ein Mantra.

„Es waren einmal zwei Bären. Der große hieß großer Bär und der kleine hieß kleiner Bär. Eines Tages ging der kleine Bär nach draußen zum Spielen, während der große Bär die Bärenhöhle putzte.“

Und dann ist da diese gewaltige Wärme. Was ein ganz ähnliches Paar, der große und der kleine Hase in „Weißt Du eigentlich, wie lieb ich Dich hab“, in so viele Worte gekleidet haben, sagen der große Bär und der kleine Bär auch auf jeder Seite. Aber sie müssen sie es nicht aussprechen.

Kein Wunder also, dass die Buchhändlerin sich vertan hat. „Gute Nacht, kleiner Bär“ mag vielleicht noch kein Klassiker sein – aber das Buch fühlt sich jetzt schon wie einer an.

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