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Moritz Moppelpo braucht keinen Schnuller mehr – von Hermien Stellmacher

moritz moppelpo coverVon Moritz Moppelpo hatte ich so viel Gutes gehört, dass ich sofort zugeschlagen habe, als mein geliebter Gebrauchtladen um die Ecke zu einem unschlagbaren Preis ein Moppelpo-Buch zum Thema „Schnuller abgewöhnen“ verscherbelt hat.

Moritz Moppelpo ist ein kleiner Hase, der seit seinem ersten Abenteuer 2003 mit den gleichen „Problemchen“ kämpft wie das typische Kleinkind des 21. Jahrhunderts: Die Sache mit dem Töpfchen will gelernt sein, Zähneputzen und Bitte und Danke sagen soll man, vom Alleine-Einschlafen ganz zu schweigen. Und in diesem Band möchte Moritz also seinen Schnuller nicht hergeben.

Hermien Stellmacher geht das Thema ganz geschickt an: Nicht Mutter Moppelpo noch irgendein anderer Erwachsener kommt mit dieser für Kleinkinder ja abstrusen bis grauenhaften Idee um die Ecke, sondern Moritz‘ Freunde, die alle keinen Schnuller mehr brauchen.

Nachdem Moritz festgestellt hat, dass ihn die anderen Kinder mit Schnuller nicht verstehen können und bei Familie Fuchs, Igel und Wildschwein nur noch die kleinen Geschwister Schnuller im Mund haben (allesamt richtige Babys), bastelt er mit seiner Mutter ein Kästchen, legt den Schnuller hinein und schläft ohne ein.

Moritz Moppelpo - Schnuller - BeispielseiteKarten auf den Tisch: Mein Wicht liebt dieses Buch. Wenn ich es nicht nach etwa zwanzig Durchgängen versteckt hätte, würde ich es jeden Tag vorlesen, vermutlich mehrfach. Und da liegt für mich der Knackpunkt: Ich mag es leider nicht.

In Hinsicht aufs Schnuller-Loswerden war es für uns nicht hilfreich: Erstens kann der Wichtig hervorragend so um den Schnuller herumsprechen, dass er von allen verstanden wird, und das einzige andere Argument – dass bei den anderen Familien nur noch die Babys Schnuller haben -, zieht auch nicht, denn der Wicht spielt im Moment am liebsten ‚Baby‘. Das ist also ziemlich nach hinten losgegangen.

Aber geschenkt, wir lesen ja nicht nur „nützliche“ Bücher, im Gegenteil – einige unserer absoluten Lieblinge sind explizit nicht nützlich, sondern verbreiten Anarchie im Kinderzimmer. Dafür aber ist mir Moritz Moppelpo – oder zumindest dieser Band – zu uncharmant. Vielleicht hatte ich zu viel erwartet: Es hieß, Moritz Moppelpo sei SO witzig (das sagen nicht nur andere Mütter, sondern auch der Verlag). Aber ich habe bei den vielen Vorlese-Runden kein einziges Mal auch nur gegrinst. In der Mitte – beim Besuch bei den drei Tierfamilien – war mir außerdem zu viel Wiederholung, und ich war von den Klappen ein bisschen enttäuscht – die dahinter versteckten Details fand ich nicht besonders inspiriert.

Also: Der Wicht ist zwar immer noch ganz genauso schnuller-abhängig, wie zuvor, mag dieses Buch aber sehr gern, schon allein wegen der drei Klappen pro Doppelseite. Trotzdem hole ich das Buch nur noch hin und wieder raus, denn mir fallen auf Anhieb jede Menge Bücher ein, die ich lieber vorlese als dieses.

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