Ausschnitt Cover Tick-Tack

Lena Anderson: Tick-Tack

Auf die schwedische Autorin und Illustratorin Lena Anderson bin ich durch das dicke, fette Empfehlungsbuch „1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist!“ aufmerksam geworden, das ich vor ein paar Jahren angeschafft habe und das mich auf so manches richtig schöne Kinder- und Bilderbuch aufmerksam geworden bin.

Tick Tack - CoverDie Reihe, die dort empfohlen wurde – eine wortlose Reihe um ein Kaninchen und einen kleinen Jungen – wird schon länger nicht mehr aufgelegt. Die Empfehlung war aber so warm, dass ich mich nach anderen Büchern von Lena Anderson umgeschaut habe. Und tatsächlich habe ich gebraucht „Tick-Tack“ gefunden. Zum Glück: Nicht nur ist das Buch sofort zum Vorlese-Favoriten avanciert, es ist auch eins der wenigen Bücher, auf das der Wicht und ich uns momentan ohne Diskussionen einigen können.

Vier Tierkinder, ein Schwein, ein Igel, ein Elefant und ein Küken, erleben darin mit Onkel Pitt einen gemeinsamen Tag, von 1 Uhr mittags bis 12 Uhr Mitternacht. Für jede Stunde gibt es eine Doppelseite mit Zahl, Uhrzeit, einem kleinen Vers und zwei großen Illustrationen.

Beispielseite von Tick-TackDer Grund, warum der Wicht und ich dieses Buch so lieben, ist nicht, dass sich damit Zahlen und Uhrzeiten einprägen – dafür ist der Wicht im Moment sicher noch zu jung, aber es stört ja nicht. Der Hauptgrund sind die Illustrationen von Lena Anderson. Der Aquarell-Stil ist wunderschön, die Farben sind warm, aber nicht aufdringlich – und vor allem ist das Design der Tiere ganz, ganz toll. Obwohl es nur ganz wenig Text gibt, springen gerade die vier Tierkinder mit ihren unterschiedlichen Temperamenten geradezu von der Seite.

Darüber hinaus sind auch die Verse super geschrieben. Der Rhythmus fließt, die Texte sind süß, ohne den Leser allzu sehr zu betüddeln, und Christa Zeuch, die Übersetzerin, hat sich für ganz expressives Vokabular entschieden. Schmusestunde, extrafeiner Sonntagskuchen, sachtes Schnarchen, dröhnende Uhren, hopsende Kinder. Mir macht es Spaß, wenn Sprache so klingt. Und dem Wicht, noch wichtiger, offenbar auch.

Als Gute-Nacht-Geschichte eignet sich „Tick-Tack“ übrigens auch wunderbar: Die Kinder gehen zwar um sieben schon ins Bett, halten den armen Onkel Pitt aber noch bis Mitternacht auf Trapp, bis schließlich alle erschöpft in ihren Betten liegen und tief und fest schlafen.

Auch wenn Oetinger dieses wunderschöne Buch leider aus dem Programm genommen hat, sei es also wärmstens empfohlen (und die „1001 Kinderbücher“ gleich mit). Eine Anmerkung aber: Inhaltlich ist Tick-Tack für meinen zweijährigen Wicht wunderbar, aber die Ausgabe hat dünne Papierseiten und wird bei uns zur Sicherheit außer Reichweite aufbewahrt.

Details:
Lena Anderson: Tick-Tack
übersetzt von Christa Zeuch
Oetinger, 24 Seiten
Originalausgabe von 1996, deutsche Ausgabe von 1997
leider nur noch gebraucht erhältlich

 

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