Größerwerden: Mamas Kleid

Vom Größerwerden: Mamas Kleid

ab 3 | „Mein Lieblingskleid ist kleiner geworden. Wie blöd!“ Und überhaupt, findet die Protagonistin dieses Bilderbuchs: Verdächtig viele Kleidungsstücke schrumpfen. Was wohl dahinter steckt?|Eine pfiffige Fabel übers Größerwerden.

Tja, das Lieblingskleid ist tatsächlich geschrumpft. Dass es tatsächlich so sein muss und nicht so, wie die Mama sagt (gewachsen? ich? pff!), dafür gibt es jede Menge Beweise. Und dann findet das kleine Mädchen aus Manuela Oltens Bilderbuch auf dem Dachboden der Oma ein Kleid, das ihr passt – eins, das auch kleiner geworden sein muss. Schließlich hat es mal ihrer Mama gehört.

Das Größerwerden, Manuela Olten und wir

„Mamas Kleid“ ist ein kurzes und bewusst harmloses Vergnügen. Das kleine Abenteuer auf Dachboden ist durchaus spannend inszeniert:

„Was steht denn dort für eine Kiste? Hoffentlich ist da kein Gespenst drin!“

Aber es passiert trotzdem nicht sehr viel. Für Größere, die von ihren Bilderbüchern elaborate Abenteuerreisen erwarten, vielleicht ein bisschen zu wenig. Für uns (der Wicht wird in Kürze drei) ist dieses Bilderbuch gerade richtig.

Es passiert genau so viel, dass sich im Kopf unseres Wichtes die Zahnrädchen zu drehen begonnen haben: Wie ist das eigentlich mit dem Größerwerden? Hört das auch mal auf? Und wie ist es dann, wenn ich „groß“ bin? Was verliere ich dann? Und was gewinne ich?

Uns hat das Buch eine perfekte Vorlage geliefert, um genau darüber zu sprechen.  Das ist bei uns im Moment sowieso ein aktuelles und durchaus sensibles Thema. So ganz geheuer ist es dem Wicht nämlich nicht, dass sie in ihrer Kita-Gruppe plötzlich eine der Größten ist.

Die Metapher, mit der Manuela Olten spielt, das Kleid, finde ich dafür ziemlich optimal: Das Alte passt irgendwie nicht mehr, dafür tritt etwas Neues in mein Leben. Scheint dem Wicht einzuleuchten. Jedenfalls gehört dieses Bilderbuch übers Größerwerden bei uns momentan zu den großen Favoriten.

Dank Manuela Oltens feinem Witz, sowohl in den Texten als auch in den (ohnehin unschlagbar süßen) Illustrationen, macht „Mamas Kleid“ übrigens auch mir Spaß. Auch wenn – oder vielleicht gerade weil – auf dem großmütterlichen Dachboden wenig passiert.

Also?

Dank Witz und doppeltem Boden, und weil das Thema Größerwerden ja sowieso ewig aktuell bleibt, prognostiziere ich diesem Buch ein langes Aufenthaltsrecht auf dem Regal neben unserem Vorlesehocker.

Wer das Buch haben möchte, sollte sich allerdings beeilen: „Mamas Kleid“ wird nicht mehr aufgelegt, wie so oft bei Bilderbüchern. Noch (Stand April 2017) sind bei den Händlern aber Rest-Exemplare vorhanden.

Kleines PS

Beim Recherchieren bin ich über die Webseite von Manuela Olten gestolpert, die in ihrem Wooden Theatre ganz eigenwillige, handgemachte Wattefiguren verkauft. Wenn man mal nach einer wirklich ungewöhnlichen Geschenkidee sucht (allerdings für Erwachsene, sieht nicht aus, als würden die Figuren Kinderhände überleben), lohnt es sich vielleicht, dort mal vorbei zu schauen.

Kommentar verfassen