Artikelbild Good Dog Carl

Bilderbuch-Import: Good Dog, Carl

Auf diesen fast wortlosen (und damit auch für deutsche Kinder geeigneten) Klassiker aus den USA bin ich durch den Band „1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist!“ aufmerksam geworden, der zwar nur wenige deutschsprachige Autoren vorstellt, in dem sich dafür aber tolle Tipps finden. Dieser zum Beispiel.

Cover Good Dog CarlCarl ist ein Rottweiler, der mit der Betreuung eines Babys beauftrag wird, während die Mutter unterwegs ist. Dieses gewöhnungsbedürftige Erziehungskonzept – Autorin Alexandra Day ist offenbar zufällig über ein antikes Photo gestolpert, auf dem ein Hund auf ein Kleinkind aufpasst – geht natürlich nicht auf. Carl ist überhaupt kein guter Hund, sondern lässt sich  jede Menge Unfug einfallen. So nehmen Hund und Kind das Schlafzimmer auseinander, verkleiden sich mit dem Schmuck der Mutter, rutschen den Wäscheschacht hinunter, versorgen sich mit Schokolade und anderen Schweinereien und planschen zum Schluss fröhlich im Aquarium. Kurz bevor die Mutter wiederkommt aber badet Carl pflichtbewusst sein Mündel, steckt es ins Bett, beseitigt das Chaos – und heimst zum Schluss Lob ein.

„Good Dog, Carl“ stammt zwar aus den 80ern, fühlt sich aber deutlich älter an. Es erzählt aus einer Zeit, in der eine Kuckucksuhr in der Küche hing, ein schwerer Schminktisch im Schlafzimmer stand und die Wäsche durch den Wäscheschaft in den Keller geschickt wurde. Daran ändert auch der Föhn nichts, mit dem Carl seinem Schützling am Ende die Haare tröcknet. Der Stil der Illustrationen unterstreicht diesen Eindruck noch: Ölfarben und Brauntöne – jede Seite sieht aus wie ein Gemälde.

Good Dog Carl innen

Mir persönlich hat dieser Stil erstmal gar nicht angesprochen, mir liegt eher der reduzierte Stil von Autoren wie Dick Bruna (Miffy) oder Jörg Mühle. Aber der Wicht hat sich sofort auf das Buch gestürzt, das ich in der ersten Hundebegeisterungs-Phase gekauft hatte. Und irgendwann hat sich Carl dann doch in mein Herz geschlichen.

Weil: Der harmlose Unfug, den die beiden treiben, ist irgendwie herzerwärmend – und erst recht die unbedingte Loyalität, die der Hund seinem Schutzbefohlenen gegenüber zeigt. Bei aller Abenteuerlust achtet Carl stets darauf, dass dem Baby nicht ein Haar gekrümmt wird. Also ist das Lob der Mutter am Schluss vielleicht doch gar nicht so unverdient.

Außerdem haben für mich stumme Bilderbücher eine ganz eigene Magie. Manchmal, wenn ich fix und fertig bin, sind sie mir zu anstrengend, weil die Lücke, die der nicht vorhandene Text lässt, ja irgendwie gefüllt werden muss, und zwar von mir. Aber andererseits lässt uns genau das viele Freihraum und fördert die Kommunikation beim Vorlesen. Auch nicht schlecht: Der Wicht schaut sich dieses und andere wortlose Bücher sehr gern alleine an.

Also?

Warum Carl in den USA ein dermaßener Klassiker ist, kann ich nicht ganz nachvollziehen – vielleicht aber auch nur deshalb, weil mir der Stil der Illustrationen nicht so liegt. Warum „Good Dog, Carl“ nie „auf Deutsch“ erschienen ist, verstehe ich aber auch nicht. Schließlich erzählt Alexandra Day eine originelle Geschichte, die sich auch nach vielen Lese-Runden nicht abnutzt – und sie erzählt sie so, dass sie sich auch ohne Worte sofort erschließt. Für zwei- bis dreijährige Hundefans also ein tolles Buch.

Details:
Alexandra Day: Good Dog, Carl
Little Simon (A Classic Board Book)
34 Seiten
Englische Ausgabe (auf Deutsch nicht erschienen, ist aber ohnehin ein Buch „ohne Worte“)

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