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Ana Weller: Ich bin der kleine Hund

Generationen von Kindern sind mit Ravensburgers charakteristisch hochformatiger „Ich bin das kleine Tier“-Reihe aufgewachsen. Ana Wellers „Ich bin der kleine Hund“ ist der aktuelle Neuzugang der Reihe, erschienen Ende 2015. Und Mutter, Vater und Wicht könnten kaum unterschiedlicher darauf reagieren.

Die Mutter…

Ich bin der kleine Hund - Cover… kriegt ein warmes Gefühl in der Magengrube, wenn sie sich an „Ich bin die kleine Katze“ erinnert und überträgt einen ganzen Teil dieser Nostalgie auf „Ich bin der kleine Hund“ (kleine Anmerkung für alle Verwirrten: Dieser Band ist zwar neu, aber es gab in den 80ern schon einmal eine Version von „Ich bin der kleine Hund“ – damals mit einem dicken Bernhardiner.) Schon alleine das ungewöhnliche Format und das Gewicht des Buches im Arm sorgt dafür, dass ich mich wohl fühle. Auch das Konzept gefällt mir: Die Tiere sind nicht antropomorph, sondern erleben ihren tatsächlichen, natürlichen Alltag, in dem je nach Tier mehr oder weniger Menschen vorkommen. Die Geschichte – der kleine Hund ist bei seinem Herrchen, wird von der Nachbarstochter abgeholt und ausgeführt und kehrt am Ende wieder heim – ist harmlos, aber nett erzählt, und der Text war für den Wicht schon mit 18 Monaten gut zu verstehen (auch wenn ausgerechnet dieser Band der Serie – und nur dieser – seltsamerweise ab 2 Jahren empfohlen wird). Wie fast alle Bände der Reihe endet das Buch damit, dass das kleine Tier müde ist und schlafen geht – sehr praktisch fürs Abendritual. Allerdings hat auch beim Vorlesen relativ schnell Ermüdung eingesetzt und ich habe das Buch sogar ein paar Wochen lang aus dem Verkehr gezogen, weil ich keine Lust mehr hatte, es immer und immer wieder vorzulesen.

Der Vater…

… kriegt auch ein Gefühl in der Magengrube, wenn er an „Ich bin der kleine Hund“ denkt, allerdings kein warmes. Die Handlung ist einfach und geraderaus. Daran ist nichts auszusetzen. Ebensowenig an den uninspirierten, aber funktionalen Zeichnungen. Da fehlt zwar die Liebe zum Detail, die man in manch anderen Buch für dieses Alter sieht, aber immerhin sind die Figuren auf jeder Seite gut zu erkennen. Schlimm ist dagegen der Text, dank dem ich schon beim ersten Vorlesen ein paar mal innerlich zusammengezuckt bin: „Opa Georg krault mich. Das ist schön.“ Mir ist das zu schwerfällig und tapsig – überhaupt fehlt mir bei diesem Buch die Leichtigkeit.
Auch wenn „Ich bin der kleine Hund“ kein direkter Verstoß gegen die Genfer Konventionen ist, gibt es einfach so viel Schöneres und Besseres, dass mir kein guter Grund einfällt, warum man ausgerechnet dieses Buch vorlesen sollte.

Ich bin der kleine Hund - BeispielseiteDer Wicht…

… hätte dieses Buch unmöglich mehr lieben können. Allein die Tatsache, dass ein Hund darin vorkommt, hat es schon zum Gewinner gemacht, und dann gibt es auch noch einen Opa und ein Mädchen namens Clara mit – haltet Euch fest! – einer roten Jacke. All das sind nicht zu vernachlässigende Pluspunkte. Warum ich dieses Buch aber so sehr geliebt habe, dass ich es mir am liebsten 16 Mal pro Tag hätte vorlesen lassen, kann ich selbst nicht so genau sagen. Jedenfalls bin ich froh, dass ich meinen kleinen Hund jetzt wiederhabe, nachdem das Buch wochenlang auf unerklärliche Weise verschwunden war…

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